Daniel Quinn, Ismael
Daniel Quinn, Ismaels Geheimnis

Vor diesen Dialogen kann sich Sokrates getrost verstecken. Ich kann dir nichts lehren, bevor ich nicht verstehe, wonach du suchst, sagt Ismael, ein weiser Gorilla, zur 12jährigen Julie. Ein mäeutischer Lehrer hilft wie eine Hebamme Ideen auf die Welt, die in seinen Schülern herangewachsen sind.
An 2 Faustregeln erkennst du Angehörige deiner Kultur, sagt er zu Julie: „Die ganze Nahrung gehört irgend jemandem und wird ausnahmslos unter Verschluss gehalten“. Und: „Sie empfinden sich als Mitglieder einer Rasse, die einen grundlegenden Fehler hat und von Natur aus zu Leid und Elend verdammt ist“. Neugierig geworden?
Nur soviel noch: Was geschah in den hunderttausenden Jahren vor der Agrarrevolution der „Nehmer“, mit der vor 10 000 Jahren die Geschichte der „Zivilisation" und der „Hochkultur" beginnt?
Not, Elend und „Barbarei“? Oder hatten die Menschen („die Lasser“) ein Wissen, wie sie mit der belebten Natur Balance halten konnten? Ein Wissen das uns im Westen (manch anderen nicht) verloren ging.
Eine atemberaubende Dekonstruktion von Mythen, die Kernbestandteil unserer westlichen Kultur und daher für uns selbst zunächst unsichtbar sind.

Daniel Quinn, Ismael, (später z.T. Drehbuchvorlage für den Film „Instinct“ mit Anthony Hopkins), Taschenbuch Wilhelm Goldmann Verlag 1992, noch im Handel.
Daniel Quinn, Ismaels Geheimnis, Taschenbuch Goldmann Verlag 1999, nach einer Auflage nicht wieder aufgelegt. Absolut vergriffen. Schreibt nach der Lektüre dem Verlag, was Ihr davon haltet: kundenservice@randomhouse.de.


Gilgamesch - Aufbegehren gegen Tod und Göttinnen-Ordnung

Eine dichterische Prosanachschöpfung in engem Kontakt mit dem aktuellen Stand der Sichtung der Quellen und Übertragungen.
ält er die fast wörtliche Wiedergabe der ninivitischen Fassung des Urtexts. So gewinnt der Leser und die Leserin ein Bild von dem, was die Prosanachschöpfung hervorholt oder auch hinzutut. Vor allem enthält diese Fassung deutliche Hinweise auf schamanische Wurzeln der alten Jägerkulturen.
Dieser Text ergreift uns, weil er uns den Weg der Männer in der Zwiegestalt Gilgamesch & Enkidu näher bringt.


Gilgamesh. Epos. Von Raoul Schrott
Carl Hanser Verlag München 2001


Gilgamesch - ohne Inanna nicht zu verstehen

Warum ist bereits das erste schriftlich überlieferte Heldenepos ein Stück vom Scheitern? Diese Neuerzählung fusst wesentlich auf Schrotts Nachdichtung und stellt das alte Gilgamesch-Epos aus Sumer sehr deutlich in den Kontext der Ordnung der Göttin. Gilgamesch, König von Uruk, verweigert die heilige Hochzeit mit der Göttin Inanna-Ischtar, die jeden erwählten König in die Unterwelt sendet, um ihn aus ihrem göttlichen Leib zu neuem Leben wiederzugebären. Er sucht einen anderen Zugang zum ewigen Leben. Er fährt ein Macht- und Superstarprogramm der Verweigerung. Die Götter schaffen den "Tiermann" Enkidu, um Gilgamesch zu zähmen. Sie werden Gefährten. Nach hundert Taten des Ruhms und der Selbstverherrlichung verliert er seinen Gefährten Enkidu an den Tod. In seiner Trauer geht er wieder auf Reisen, um neue Antwort zu finden. Er begegnet der Göttin des Gartens Sabitu: „Ich will nicht in die Tiefe absteigen, ich will nicht welken und sterben.“ „Wie willst du dann erneuert und jung wiedergeboren werden, wenn du nicht sterben willst? Aus eigener Kraft kannst du das Leben nicht gewinnen.“ Er tobt vor Wut und ertrotzt seine Überfahrt über das Wasser des Todes. Aber auch bei seinem Urahn Utnapischtim und dessen Frau erfährt er nichts anderes. Verwahrlost, schmutzig und vorzeitig gealtert, kinderlos, voller Hass und Trotz, erregt er ihr Mitgefühl. Sie schenken ihm ein Kraut, das ihm ewige Jugend und Leben geben kann. Und was tut Gilgamesch? Er zweifelt. Bevor er es nimmt, will er es erst daheim an einem anderen ausprobieren, um zu sehen, „ob’s funktioniert“. So entwendet es ihm die Schlange. Sie isst es auf, wirft ihre alte Haut ab und ist wieder frisch und jung wie am Anfang. Der ewige Kreislauf des Lebens aus Tod und Wiedergeburt. Auch Gilgamesch Superstar kann sich ihm nicht entziehen. Ein Drama, das tief unter die Haut geht.
Ein Lese-Muss für Männer und Frauen.

Inanna – Gilgamesch – Isis - Rhea
Die großen Göttinnenmythen Sumers, Ägyptens und Griechenlands
Neu erzählt von Heide Göttner-Abendroth. Ulrike Helmer Verlag, Königstein 2004