Wo wir heute stehen (Herbst 2010)

Nach Jahrzehnten des „Reisens“ entdecken wir, dass es darum geht, eine neue Beziehung zur Erde und zur Natur zu entwickeln, eine Beziehung, die wie ein Heimkommen ist. Im Unbekannten der beseelten Natur lernen wir, wie die Widersprüche dieser Welt in Balance zu bringen sind. Eine Sicht, die von vielen traditionellen Kulturen der indigenen Welt praktiziert wird und die z.B. auch Weltmodell der keltischen Kultur – unserer Vorfahren – war.

Zum modernen Weltbild unserer westlichen Kultur macht Gregory Bateson – Vordenker der modernen Systemtheorie – folgende Aussage:

Wenn man Gott nach außen verlegt und ihn seiner Schöpfung gegenüberstellt, und wenn man die Vorstellung hat, dass man nach seinem Bilde geschaffen ist, dann wird man sich selbst logisch und natürlich als außerhalb von und entgegengesetzt zu den Dingen um einen herum sehen. Und wenn man sich selbst allen Geist anmaßt, dann wird man die Welt um sich herum als geistlos ansehen und ihr jeglichen Anspruch auf moralische oder ethische Erwägungen absprechen. Die Umgebung wird sich so darstellen, als sei sie nur für die Ausbeutung da. Die Überlebenseinheit wird man selbst und die eigenen Angehörigen oder Artgenossen sein, im Gegensatz zu der Umgebung anderer sozialer Einheiten, anderer Rassen und der Tiere und Pflanzen.
Hat man diese Einschätzung seiner Beziehung zur Natur und verfügt man über eine fortgeschrittene Technologie, dann wird die eigene Überlebenschance der eines Schneeballs in der Hölle entsprechen. Man wird entweder an den toxischen Nebenprodukten des eigenen Hasses oder einfach an Überbevölkerung und Überausbeutung sterben." ”)

1) Gregory Bateson, Form, Substanz und Differenz, Vortrag am 9.1.1970,
in Gregory Bateson, Ökologie des Geistes, Suhrkamp Frankfurt, 1990, S.593 f.

Formulieren wir diese Aussage konsequenterweise so, dass sie uns Impulse für Auswege aus dieser aussichtslosen Situation geben kann, könnte das so lauten:

Wenn man den Geist bzw. Gott nach innen verlegt und ihn in sich selbst und in seiner Schöpfung zu erkennen sucht, dann wird das Bild der Verbundenheit mit allem leitend. Und wenn man sich selbst als Teil, als Manifestation von Geist ansieht, wird man die gesamte Welt um sich herum ebenso als Manifestation von Geist ansehen und ihr einen Anspruch auf moralische und ethische Erwägungen zusprechen. Die Umgebung wird sich so darstellen, als gebe und nehme sie. Die Überlebenseinheit wird dann nicht mehr man selbst mit den eigenen Artgenossen und dem selbst vernutzten Stück Erde in Konkurrenz mit anderen sozialen Einheiten, mit Tieren und Pflanzen sein, sondern die Erde samt allen ihren Bewohnern: Pflanzen, Tiere, die menschliche Gattung. Auch Feuer, Meere, Kontinente, Berge und Luft laden dazu ein, sie als Bewohner der Überlebenseinheit Erde anzusehen.
Sieht man sich als Teil der Natur, wird man danach trachten, mit ihr in Dialog zu treten, wird man danach trachten, Technologie so zu entwickeln und einzusetzen, dass sie der Aufrechterhaltung der Balance des Ganzen dient. Liebe und Fülle sowie die selbstverständliche Auseinandersetzung mit Hass und Mangel, ihren Gegenpolen, bekommen einen sinnlichen Boden, werden überprüfbar.
Schiefgehen kann es trotzdem. Vor allem dann, wenn diese Sicht als allein seligmachend vorgeschrieben und Denkverbot für andere Sichtweisen verhängt wird.

Grundlage und Ausrichtung unserer Arbeit ist daher das Vertrauen auf eingeborene Fähigkeiten und die bewusste Kooperation und Partnerschaft mit dem Unbekannten (dem Anderen, dem Fremden, dem Unsichtbaren, Geist, Gott, Natur, etc.). Das verlangt Bereitschaft und Mühe, dessen „Sprache“ verstehen zu lernen und Offenheit, eigene Grenzen zu überschreiten. Wir konzentrieren uns daher auf die Arbeit mit „stillen Medien“ (alles was jenseits unserer gesprochenen Alltagssprache liegt), um Wissen, von dem wir nicht wissen, dass wir oder das große Ganze um uns herum es wissen, ins Bewusstsein zu heben und so innere und äußere Quellen von Sinn, Eigenorientierung und Lebendigkeit für den Alltag zu stärken.

Das Institut Bewusstseinsstrategien - Personen - Gruppen - neue Stämme besteht zur Zeit aus drei Menschen, die ihre Existenz damit bestreiten, so mit Menschen zu arbeiten, dass sie in ihrem Weg zu Eigenorientierung, Sinn und Zusammenwirken Bestärkung erfahren. Aus dieser Arbeit entstehen Keime eines Dorfs, dessen Mitglieder in ihrer Region ähnlich arbeiten und zur gegenseitigen Bekräftigung und Hilfe von Zeit zu Zeit überregional zusammen kommen.