Jahresbrief

2010 ein Erdjahr

Brief zum Ausdrucken
Letter for printout

Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Interessierte,·

2010 ist in der westafrikanischen 5-Elemente-Kosmologie (siehe Symbol oben rechts) ein Jahr der Erde. Erde nährt, ver­bindet, gründet Einmaligkeit und Gemeinschaft. Was kann das für uns in diesen verrückten Zeiten bedeuten?

Imre Kertész, Literatur-Nobelpreisträger, Überlebender des KZ Auschwitz-Birkenau und mehr als dreißig Jahre „Insasse“ des kommunistisch beherrschten Ungarn, beantwortet die Frage, warum Menschen in totalitären Systemen ihre Lage verzerrt wahrnehmen, so: „Die Diktatur erlöst den Menschen. Sie hebt das Individuum auf. Es ist eine ganz große Er­leichterung, wenn einem das Denken abgenommen wird. So bleibt auch die persönliche Verantwortung auf der Strecke. Und ohne diese Verantwortung ist der Mensch Kind. Totalitarismus bedeutet eine infantilisierte Gesellschaft.“ 1)

Unser liberales Wirtschaftssystem scheint demokratisch, jedoch gelten seine Ziele und Zwecke als Hauptrichtschnur des Überlebens. In diesem System bilden sich hinter dem Rücken der Beteiligten ständig Inseln der Fremdbestimmung durch Experten und „Sachzwangverwalter“, wenn nicht EINZELNE aufbegehren, streiten und streiken. Wie erfreulicherweise jetzt Ende 2009 die Studentinnen und Studenten in Österreich und Deutschland. Sie wehren sich im Kern dagegen, Teil einer großen Maschine zu sein und nur zu Methodenanwendern gedrillt zu werden.

Zum Thema Mensch und Methode äußert sich der Schweizer Begründer der Analytischen Psychologie und Entdecker und Erforscher des „kollektiven Unbewussten“ Carl Gustav Jung:

&„Wenn aber ein verkehrter Mann die rechten Mittel gebraucht, so wirkt das rechte Mittel verkehrt.“ Dieser leider nur zu wahre chinesische Weisheitsspruch steht in schroffstem Gegensatz zu unserem Glauben an die „richtige“ Methode, abgesehen vom Menschen, der sie anwendet ... Die Methode ist ja nur der Weg und die Richtung, die einer einschlägt, wobei das Wie seines Handelns der getreue Ausdruck seines Wesens ist.“ 2)

Um Wesen zu beschreiben, zu leben und zu fördern, kam C.G. Jung „... zu dem Schluss, dass jedes menschliche Wesen ... einen eigenen Mythos hat.“ „... er (hatte) von Anfang an gelernt ..., in jeder Störung der Persönlichkeit … die Elemente einer persönlichen Geschichte zu erkennen. Diese Geschichte war der wertvollste Besitz der Persönlichkeit... Er hielt dafür, dass die Geschichte nicht nur einen Zugang zur besonderen Verletzung, Zurückweisung oder Trauma enthielt (wie andere sich beeilten, das zu nennen), sondern das Potential der ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit.“ 3) Ja umgekehrt, er sah Störungen als Unterbrechung der Entwicklung des persönlichen Mythos.

Der Schriftsteller James Joyce, der Mythologe Joseph Campbell, der Theatermann und Gestalttherapeut Paul Rebillot u.v.a. haben das aufgenommen und auch unsere Arbeit steht seit 1991 in dieser Linie. Mehrere hundert Menschen haben sich seitdem von uns Hilfestellung geholt, ihre persönliche Lebensaufgabe oder den Kern ihres persönlichen Mythos zu finden und zu leben. Sie alle laden wir im Erdjahr 2010 am Platz der Stille in Unterweinberg zum


Fest der Erde
Ehren und erden wir unsere Geschichte
Meditation, Begegnung und Austausch über das Gehen des eigenen Wegs

Zusammenkommen, erzählen und zuhören. Die Beziehung zur Erde stärken, um in Schutz und Fülle weitergehen zu können. Tingan ist in der Kosmologie der westafrikanischen Dagara der männliche Aspekt der Erde, der das Leben und den Lebensunterhalt schützt. Seit 2005 gibt es hier den Tingan­schrein. 2008/2009 kam ein Schrein in Form einer Erdhöhle hinzu, der „Schoß des Erinnerns“ heißt und der Mutter Erde - in Lateinamerika Pacha Mama (rechts, bei den Dagara Timbalo - gewidmet ist.

Sa 17.Juli 2010 · Anreise Freitag 16.Juli · Ende So 18.Juli nach dem Mittagessen
Teilnahme mit Spende für den Aufwand der Vorbereiter/innen und den Platz
Übernachtung und Verpflegung 50 € · Verpflegung bei externer Übernachtung 30€


Werkstatt Life skills
Den eigenen Seelencode entschlüsseln
Das innere Bild der Einzigartigkeit zum Leben bringen

Das ist das Basisseminar. Weitere Zugänge zur eigenen Gabe öffnen sich durch Meditation des Pflanzenzyklus (März), durch Meditation des Pfades der Tiere (März) und das Wissen der Berge (September). Der „Platz der Stille“ in Unterweinberg ist auch für persönliche Beratung von einzelnen und Gruppen hilfreich.

Der Prozess „Den persönlichen Mythos leben“ wird im Rahmen des Workshops „Wege, das Drehbuch meines Lebens zu finden“ für Jugendliche im Verein „Abenteuer Leben“ im Sommer angeboten. Auch die „Heldenreise“ nach Paul Rebillot wird wieder als Teil eines Jugendmentoren-trainings stattfinden. Näheres dazu Januar 2010 auf www.adventurelife.eu.


Workshopreihe Navigation im Unentscheidbaren
Wenn Gewohnheit am Ende ist, geh über die Grenzen des Bekannten

Jenseits der Sprache liegen viele unbekannte Reiche voll Wissen und Weisheit. Über die Grenze des Be­kannten ins Unbekannte gehen, nach Wissen forschen, es finden und für den Alltag hier nutzen will ge­lernt und geübt sein. Und es braucht Mut zur Kreativität für diese Grenzgänge.

a) Einstieg
Schnupperworkshop Afrikanische Kaurimuscheldivination (Orakelbefragung) (April)

b) Vertiefung für Fortgeschrittene mit Erfahrungsaustausch der Diviner/innen
Divinationstraining Teil 2 (Juni)

c) Weiterbildung für Berater/innen und Trainer/innen
Analoge Medien in Beratung und Training“ umfasst 4 Module: 1. Symbolarbeit mit inneren Bildern, 2. Symbolarbeit mit äußeren Bildern, 3. Kreative Rituale in/mit der Natur und 4. Theaterarbeit mit Märchen, Mythen, Archetypen.
Einzelprospekt als Download von Jahresprogramm 2010 / www.tingan.info.

Workshopreihe Navigation im Entscheidbaren
Die Galaxis im Halsband des Orion
Systemisches Denken und Handeln für Coaching, Beratung, Supervision und zur Lösung von Alltagsproblemen

Der Aufbruch ins Unbekannte beginnt – wie alle Abenteuer - im Kopf. Ein Trainingszyklus für alle, die in irgendeiner Weise mit Beratung zu tun haben (möchten).

Abschlusstag der 2.Gruppe im Februar. Start der neuen Gruppe Februar/März 2011.
Jahresrituale

Fest zum Neuen Jahr. Übergangsritual ins neue Jahr hinein (Frühlingsanfang)

Inanna. Ein Ritual der spirituellen Frauencooperative für Frauen aller Altersstufen, die ihre Kraft, Schönheit und Lebendigkeit leben wollen. (März)

Schwitzhüttenritual. Verbindung mit Stein, Feuer und Erde, Klärung der Absicht (Juni)

7.Sommertreffen im Graubündner Calancatal für alle, denen Ritual, Vielfalt und Gemeinschaft am Herzen liegen (Juli)

Wissen der Berge. Kreative Rituale und Hüttenwanderung in den Bergen (2x im September)

Die Beziehung zu unseren Ahnen heilen. (Samhain/Allerheiligen)


Einen guten Winter mit Stille und Schnee
und herzliche Grüße,
Helga & Manfred Weule


1) Kertész-Interview in: Der Standard, Wien, 14.11.2009
2) C.G.Jung, Kommentar zu Richard Wilhelm, Das Geheimnis der goldenen Blüte, Olten und Freiburg i.Br., 1971, S. 4 f.
3) Laurens van der Post, Jung and the story of our time, London 1976, S.120 f.